Social Media: Welche Trends erwarten uns 2019?

Social Media ist nie statisch. Ständig ändert sich in der virtuellen Welt etwas. Was erwartet uns 2019? Eine nun von Hootsuite veröffentlichte Studie gibt einen guten Einblick. 

Es gibt Jahre, über die sagt man im Rückblick dass es gut ist, dass sie vorbeigegangen sind: Für Social Media dürfte genau das letzte Jahr so ein Jahr gewesen sein. Die vielen Skandale rund um Facebook hat Social Media in eine Krise gestürzt. Daran, dass nach wie vor viele Menschen sich in den Plattformen tummeln, hat sich allerdings nichts geändert. Was sind die Trends für 2019?

 

Hootsuite hat genau zu diesem Thema im dritten Quartal 2018 mehr als 3000 Businesskunden von unterschiedlicher Unternehmensgröße befragt. Zusätzlich wurden die Ergebnisse durch Einzelinterviews mit Branchenexperten sowie Publikationen und Daten relevanter Drittanbieter ergänzt. Der nun veröffentlichte Social Media Trends Report 2019 gibt Werbetreibenden fünf Trends an die Hand, die sie dringend in diesem Jahr in den Fokus nehmen sollten. 

 

#1 Stories erobern die Kommunikation

Das eingeführte Storyformat hat über die sozialen Plattformen hinweg einschlagenden Erfolg zu verzeichnen. Seit dem Instagram gute Erfahrungen mit diesem Format gemacht hatte, zog auch Facebook nach. Der Trend in den sozialen Netzwerken geht eindeutig in Richtung Storifizierung. Diese kurzen, flüchtigen Slideshows erobern Social Media. Alleine in den an Facebook angehängten Netzwerken wie WhatsApp, Messanger und Instagram setzen bereits mehr als eine Milliarden Nutzer täglich auf Stories um ihre Inhalte mit Followern zu teilen. TechCrunch, das weltweit führende Nachrichtenportal für Technologie- und Internetunternehmen, gehen davon aus, dass Stories in Zukunft den Feed als bevorzugte Möglichkeit Inhalte zu teilen überholen wird. 

Täglich aktive Nutzer des Storie-Format auf Social Media (Auswahl) © TechCrunch

Stories sind also mehr als eine nette Beigabe des Angebots auf sozialen Plattformen. Stories sind eine konsequente Weiterentwicklung des Nutzerverhaltens. Unternehmen sind also gut beraten Stories in den Blick zu nehmen. Marken müssen in den Storieaufbau investieren. Diese wirken persönlich und authentisch - das kommt gut beim Publikum an. Natürlich bedeutet das nicht im Umkehrschluss, dass man auf hochwertigen Content in Feeds zugunsten von flüchtigen Stories ersetzen sollte. Die Verlagerung des Schwerpunkts auf Stories ist aber nun einmal da. Visueller Content hat einfach in den letzten Jahren so stark an Bedeutung gewonnen, dass Stories genau diesen Trend abbilden. Wer als Unternehmen Social Media Marketing betreibt, sollte weniger auf glatte Inhalte setzen und besser auf eine realistische Außenwirkung achten. 

 

#2 Vertrauen ist die Basis der sozialen Netzwerke

Das Verrauen in die sozialen Netzwerke hat im vergangenen Jahr ziemlich gelitten. Angefangen hat alles nachdem bekannt wurde das das Unternehmen Cambridge Analyticas in den Besitz von geschätzt 50 Millionen Facebook-Nutzern gekommen war. Entgegen des Versprechens der Firma, hatten diese die Daten damals nicht gelöscht und sind von Facebook von der Plattform verbannt worden. Besonders unverständlich war für viele Nutzer, dass Facebook sich zwar mit dem Unternehmen Cambridge Analyticas über die Löschung der Daten geeinigt hatte, dann aber zwei Jahre nicht nachgehakt hatte, ob diese Löschungen auch tatsächlich stattgefunden hatten.  Es war allerdings nicht der einzige Fall, in dem Facebook in die öffentliche Kritik geraten ist. Zum Jahresende wurde bekannt, dass sensible Nutzerdaten entweder an oder durch Facebook weitergegeben wurden. Auch wenn sich diese Skandale bisher nicht unmittelbar auf die Nutzung der Plattform ausgewirkt haben, begegnen viele Nutzer dem Unternehmen Facebook skeptischer. Auch die Verbreitung sogenannter Fake News über Facebook dürften dazu beigetragen haben, dass man etwas genauer auf Facebook schaut. 

 

Glaubt man dem Edelmann Trust Barometer 2018, so ist das Vertrauen der Nutzer in Social-Media-Media Plattformen um 60 Prozent gesunken. Auch das Ansehen sogenannter Influencer ist im vergangenen Jahr stark rückläufig. Wurde noch im Sommer 2018 von einem Boom dieses Marktes gesprochen, so gehen Experten inzwischen davon aus, dass dieser Hype langsam wieder abebbt. Nun kann ich sicherlich leicht daherreden und sagen, dass ich diesem ganzen Hype schon immer kritisch gegenüber gestanden habe. Für mich war vieles in diesem Bereich einfach immer zu glatt. Mich wunderte es daher auch nicht als bekannt wurde, dass bei Influencern häufig Bots oder gekaufte Fake Follower zum Einsatz gekommen sind. Schnell hat sich dann das Blatt gewendet. Geht es bei Usern um Meinung, dann nehmen wieder echte Bekannte, Familie und Freunde einen hohen Stellenwert ein. Das hat auch für Unternehmen und Marketer die Karten noch einmal neu gemischt. 

 

Nicht Follower und Likes sind zukünftig die alles entscheidende Kennzahlen, sondern hochwertiges Engagement. 2019 könnte das Jahr der Micro Influencer werden, bei denen es nicht mehr um die bloße Masse an Likes oder Follower geht, sondern darum, welche Qualität sich dahinter verbirgt.

 

Hat Bill Gates einmal 1997 gesagt "Content ist King", so haben sich auch hier die sozialen Netzwerke weiterentwickelt. Nutzer teilen ihre Daten nicht mehr bedingungslos mit jedem: Erst gilt es Vertrauen aufzubauen und Mehrwert zu liefern. Also nicht nur Content, sondern auch Kontext. Für Unternehmen bedeutet das aus meiner Sicht, dass es in Zukunft noch viel stärker darauf ankommen wird, die Inhalte zu personalisieren und den Nutzern eine hohe Authentizität zu vermitteln. Wer sein Social Media Profil ausschließlich als Plattform versteht um seine Produkte oder Dienstleistungen anzupreisen, wird nicht nur seine Nutzer zum Gähnen langweilen, sondern völlig an den Bedürfnissen der Nutzer vorbeiarbeiten. 

 

 

#3 Im Bereich Paid Social wird der Wettbewerb steigen

Wer Werbeanzeigen in den sozialen Netzwerken schaltet, der hat es sicherlich längst gemerkt: Die Preise sind in den letzten Jahren gestiegen. Das hängt damit zusammen, dass der Werbeanzeigemarkt gesättigt ist. Alleine im vergangenen Jahr ist das Social Werbebudget um 32 Prozent erhöht worden. Die Nachfrage seitens Werbetreibender ist allerdings nach wie vor hoch. Wer in den sozialen Netzwerken hervorstechen möchte, wird mehr Geld in die Hand nehmen müssen.

 

Allerdings wird Geld nicht alleine zur Steigerung des Engagements führen: Vor allem Kreativität ist es, die stark präsente Unternehmen in den sozialen Netzwerken von seinen Mitbewerbern abhebt. Gute Marketer sprechen auch hier ihr Publikum gezielt an. Die Zauberformel lautet hier höheres Engagement durch anregende Diskussionen und Interaktion.

 

Schon heute stocken Unternehmen ihr Social Media Team durch neue Mitarbeiter auf, die Allrounder sind, auf eine plattformübergreifende Contenterstellung spezialisiert sind und dabei unter anderem sowohl Video, Grafik und auch Design beherrschen. Auch A/B-Testing setzt sich beim Social Advertising weiter durch. Marken müssen sehr viel mehr in die persönliche Ansprache investieren und einen deutlichen Mehrwert für ihre Community liefern.

 

#4 Shoppen in Sozialen Netzwerken immer besser möglich

Bisher waren Shopping und Social Media immer zwei unterschiedliche Welten. Das gleicht sich in den kommenden Jahren immer mehr an. Zwar konnte man auch schon relativ früh Produkte in den Plattformen taggen, doch eine Kaufabwicklung gab es lange Zeit nicht. Neue Technologien lassen hoffen, dass die Lücke zwischen E-Commerce und Social bald geschlossen werden kann.  So ist es schon heute durch Shoppen in Stories auf Instagram möglich, direkt von der Produktsuche zur Kasse zu gehen. Und auch sogenannte Buyable Pins auf Pinterest steigern die Conversion Rate dort erheblich. Inzwischen ist aber auch Facebook mit seinem Marketplace in den E-Commerce eingestiegen. Es tut sich also durchaus etwas. 

 

Zwar wird es hier noch ein wenig dauern, bis das Shoppen, direkt in Social Media, ein relevanter Distributionsfaktor ist. Doch sollte man die Entwicklungen im Auge behalten. Vorbereitung kann hier einen schnellen Einstieg erleichtern. Doch wer sich mit dem Thema beschäftigt, sollte wissen, dass es auch hier auf Interaktion. Vertrauen und überzeugende visuelle Inhalte ankommt, wenn man erfolgreich sein möchte. 

 

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#5 Messenger Marketing weiter auf dem Vormarsch

Mehr als fünf Milliarden Menschen nutzen schon heute die führenden Messenger Apps weltweit. Wenn man diese Zahl betrachtet, dann wird deutlich, dass damit insgesamt mehr Menschen Messenger-Dienste nutzen als die sozialen Netzwerke. Auch hinsichtlich der Inhalte gibt es Unterschiede: Während bei Social Media vor allem allgemeine Inhalte geteilt werden, geht es in Messenger-Diensten doch privater zu. Display Ads im Messenger würde daher sicherlich nicht für Freudensprünge bei den Nutzern sorgen. Studien, die zu dem Thema beispielsweise in den USA gemacht wurden, kamen zu Ergebnis, dass neun von zehn Verbrauchen durchaus gerne via Messenger mit Unternehmen kommunizieren würden. In den USA ist es längst Realität und auch hier nehmen Messenger als Kanal des Kundendienstes eine immer größere Bedeutung ein. 

 

Wer Messenger als Unternehmer als einen weiteren Werbekanal betrachtet, der denkt auch hier wieder an den Bedürfnissen des Kunden vorbei. Diese wollen hochwertige und natürlich persönliche Konversation mit Unternehmen. Bots, die die Kommunikation automatisieren, können zwar der schnellen Antwort dienen, ersetzen aber keineswegs die persönliche Kommunikation. Trotzdem können hier Real-Time-Kundenservice, Rabattcodes oder etwa Gutscheine gute Elemente der Kundenbindung und des Verkaufs sein. 

 

Fazit

Der Report birgt nun keine überraschenden Erkenntnisse in sich. Wer sich mit der Materie beschäftigt, der findet eher Bestätigung für das, was er oft ohnehin schon weiß. Wer sich tagtäglich in den sozialen Netzwerken bewegt, dem dürfte beispielsweise der Stories-Trend aufgefallen sein. Auch das Messenger-Dienste in den Blick genommen gehören, dürfte einen Platz bei digital versierten Unternehmen eingenommen haben. 

 

Der Mehrwert des Reports liegt aber darin, dass über die bloße Benennung der Trends eben auch konkrete Handlungsempfehlungen gegeben werden. Damit bekommen Unternehmen Werkzeuge an die Hand wie sie ihre Social Media Arbeit in Zukunft noch besser gestalten können. 


Über den Autor: 

Stefan Rochow arbeitet seit zehn Jahren als freier Journalist und ist hier vor allem im Online-Bereich tätig. Als Experte für Content- und Digital-Marketing berät und unterstützt er Unternehmen bei der Entwicklung von Online-Strategien. 

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